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„Ich sehe sehr gute Chancen, unser Software-Tool „Grüner Werkzeugkasten“ in der kanadischen Filmindustrie einzuführen.

Die Teilnahme am Markterschließungsprogramm hat uns einen guten Schritt weitergebracht.“ Interview mit Roman Russo, Gründer der GWK Grüner Werkzeugkasten GmbH



ie Teilnahme am Markterschließungsprogramm hat uns einen guten Schritt weitergebracht.“ Interview mit Roman Russo, Gründer der GWK Grüner Werkzeugkasten GmbH


Seit Sommer 2023 müssen alle öffentlich geförderten Filmproduzierenden bundesweit geltende ökologische Standards einhalten. Sie wurden von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien, der Filmförderungsanstalt, den Filmförderungen der Länder und dem Arbeitskreis Green Shooting erarbeitet. Die Frage ist nur, wie lassen sich Klima- und Ressourcenschutz ganz praktisch am Filmset umsetzen? Hilfestellung bietet zum Beispiel das Tool „Grüner Werkzeugkasten“, den der Sustainability-Manager und Regie-Assistent Roman Russo entwickelt hat. Dabei hat er nicht nur den deutschen und österreichischen Markt im Visier. Erste Kontakte gibt es auch zu potenziellen Kunden in Kanada. Geholfen hat ihm dabei das Markterschließungsprogramm KMU des Bundeswirtschaftsministeriums.


Herr Russo, könnten Sie zunächst erklären, um was es bei Ihrer Software „Grüner Werkzeugkasten" geht?

Herr Russo, könnten Sie zunächst erklären, um was es bei Ihrer Software „Grüner Werkzeugkasten" geht?

Russo: Wir möchten mit unserem Tool einen signifikanten Beitrag zur nachhaltigen Transformation der Filmwirtschaft leisten. Grundlage hierfür sind insbesondere die „Ökologische Standards für deutsche Kino-, TV- und Online-/VoD-Produktionen“, die der Arbeitskreis Green Shooting, die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien und die Bundes- und Landesförderungen im Februar 2023 herausgegeben haben. Das bedeutet, wir ermöglichen eine belastbare und effiziente Nachweis- und Prüfsystematik für unterschiedliche Bundes- und Landesförderungen, unterstützen die nachhaltige Entwicklung des Produktionsumfeldes und gewährleisten die Integration der Dokumentationsfunktion in unseren CO2-Rechner. Durch die Zusammenarbeit mit verschiedenen Filmproduktionen und den Einsatz unserer Tools werden CO2-Emissionen erfasst, Teammitglieder sensibilisiert und nachhaltiges Arbeiten in verschiedenen Gewerken gefördert.


Wie kann man sich das konkret vorstellen?

Russo: Wir bieten Filmproduktionsteams eine Plattform an, auf der sie sich über klima- und umweltschonende Maßnahmen am Filmset informieren können. Vor allem aber bieten wir digitale Werkzeuge an, die individuell in den Produktionsprozess integriert werden können. Die Teammitglieder erhalten dadurch eine stets aktuelle Übersicht über ihre Verbräuche, was wiederum zu einem achtsamen und reflektierten Umgang mit den zur Verfügung stehenden Ressourcen führt. Gewerke und Dienstleister erhalten Informationen und Checklisten, um nachhaltige Prozesse, die Beschaffung und Entsorgung von Ressourcen sowie die Einhaltung von Standards zu unterstützen. Sobald die Filmarbeiten fertiggestellt sind, wird in einem Abschlussbericht dokumentiert, welche „grünen" Maßnahmen umgesetzt wurden und welchen Effekt sie hatten. Ein Beispiel dafür ist unsere digitale Product-Carbon-Footprint-Bilanzierung, bei der Kohlendioxidverbräuche und -einsparungen für jeden Prozess bzw. jedes Gewerk aufgezeigt werden.



Können Sie Beispiele für besonders kohlendioxidintensive Gewerke nennen?

Russo: Bei der Erfassung von Daten und der Einhaltung der verschiedenen Richtlinien steht jedes Gewerk vor ganz eigenen Herausforderungen. Die größte liegt dabei beim Transport - sowohl von Personen als auch von Waren. Catering und Übernachtung spielen auch eine große Rolle. Beide sind nicht nur CO2-, sondern auch ressourcen-intensiv.



Umweltfreundliche Maßnahmen verursachen nicht selten Mehrkosten. Wie

gehen Sie damit um?

Russo: Wir setzen uns mit den Produktions- und Herstellungsleiterinnen und -leitern bereits während der Budgetplanung zusammen und kalkulieren, welche Mehrkosten durch Umweltmaßnahmen entstehen könnten. Durch den Einsatz des „Grüner Werkzeugkasten“ können wir schon in der Vor-Kalkulation die Mehrkosten den CO2-Einsparungen gegenüberstellen. Sei es durch Hybrid- statt Dieselgeneratoren oder durch PKW mit E-Antrieb. Beim Catering setzen wir auf regionale Bio-Produkte und abfallarmen Einkauf. Bei Übernachtungen achten wir auf Ökostrom, Wassersparmaßnahmen und Mülltrennung. Prinzipiell möchten wir dazu beitragen, überflüssige Prozesse, Wege und Produkte zu vermeiden und Ressourcen zu sparen.


Werden die Mehrkosten durch klima- und umweltschonende Maßnahmen bei der Filmförderung berücksichtigt?

Russo: Bislang leider nicht. In Deutschland zahlen die Sender und teilweise auch die Förderinstitutionen bis zu 5.000 Euro für einen Green Consultant. Dessen Aufgabe ist es, Produktionsunternehmen dahingehend zu beraten, wie sie ihren CO2-Fußabdruck reduzieren und nachhaltige Maßnahmen implementieren können. So weit, so gut, aber im Unterschied dazu werden zum Beispiel in Österreich tatsächlich alle „grünen" Maßnahmen am Filmset weitgehend gefördert.



Sie haben in diesem Jahr am Markterschließungsprogramm KMU in Kanada teilgenommen? Was war der Grund dafür?

Russo: Der wichtigste Grund für die Teilnahme war und ist die Größe des kanadischen Marktes. Ich sehe einfach sehr gute Chancen, unseren „Grüner Werkzeugkasten“ dort einzuführen. Die Teilnahme am Markterschließungsprogramm hat uns da einen guten Schritt weitergebracht. Wir konnten wichtige Kontakte knüpfen, darunter zu den Veranstaltern des kanadischen Oscars oder auch zu der Green Screen Ontario-Bewegung und unser Software-Tool einem internationalen Publikum präsentieren. Daraus haben sich bereits erste Projekte mit kanadischen Partnern ergeben - obwohl ich selbst gar nicht vor Ort war. Ich hatte einen guten Freund von mir gebeten, an meiner Stelle nach Kanada zu fliegen. Der hat zwar wenig Erfahrung mit der Film- und Fernsehbranche, ist aber genial darin, mit Menschen in Kontakt zu kommen. Bei den Zoom-Meetings war ich dann von Deutschland aus zugeschaltet, habe unser Tool vorgestellt und die weiteren Schritte mit den Gesprächspartnerinnen und -partnern vereinbart. Das hat sehr gut geklappt.


Das heißt, das Markterschließungsprogramm verlief für Sie ziemlich erfolgreich?

Russo: Ja. Ich habe wirklich viele Eindrücke und Erfahrungen mitgenommen und tolle Menschen kennengelernt. Die Woche war ziemlich durchgetaktet. Das Team der Deutsch-Kanadischen Industrie- und Handelskammer hatte ein sehr umfangreiches Programm für uns organisiert, Und dass, obwohl wir uns im Vorfeld gar nicht so klar dazu geäußert hatten, was wir uns eigentlich so vorstellen. Wir hatten uns zwar für das Programm beworben, waren uns aber gar nicht so sicher, ob es tatsächlich für uns in Frage kommt. Aber im Ergebnis war es eine tolle Chance für so ein Start-up wie das unsere, den Markt in einem anderen Land kennenzulernen und Kontakt zu den richtigen Leuten zu bekommen.


Stand: November 2023



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